Wenn Conni Fensky auf Herausforderungen trifft, dann ist es ihre Haltung, die Situation erst einmal zu reflektieren und dort anzufangen, wo sie etwas verändern kann. Dass es an vielen Stellen Veränderungsbedarf gibt, um Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen selbstverständlicher zu integrieren, stellt sie auf ihren Wegen durch die Stadt immer wieder fest. Und aus der Perspektive einer Frau mit viel Lebenserfahrung, die selbst mit dem Rollstuhl unterwegs ist und beispielsweise weiß, was es bedeutet mit einer Lese-Rechtschreibschwäche zu leben, spürt sie Verbesserungs-potenziale direkt auf.
Durch eine Bekannte ist Conni Fensky vor gut vier Jahren dazu gekommen, sich in der,Arbeitsgruppe Inklusion‘ im Stadtteilzentrum Pankow zu engagieren. Einmal pro Monat trifft sich die Gruppe und sorgt dafür, dass das Stadtteilzentrum noch inklusiver wird. Auch das Zusammenleben in Pankow wird hier von Menschen mit verschiedenen Einschränkungserfahrungen in den Blick genommen. Dass dies so gut funktioniert, liegt auch an der konkurrenzlosen Zusammenarbeit in der Gruppe und durch das Teamwork von Barbara Wacker (FreiwilligenAgentur Pankow) und Ira Freigang (Stadtteilzentrum Pankow), wie Conni Fensky berichtet. An ihrem eigenen Engagement schätzt sie nicht nur, dass sie ihre Erfahrungen stellvertretend für andere Menschen mit Unterstützungsbedarfen fruchtbar machen kann. Auch sie selbst sieht sich durch die ehrenamtliche Arbeit gefördert: „Man braucht auch Menschen, die an einen glauben. Die Arbeit macht mich stolz. Ich mache das, was mir wirklich Spaß macht und ich bin gewachsen“, erzählt sie.
Zusammen mit Barbara Wacker und Ira Freigang ist sie außerdem als Gastreferentin an Hochschulen für Studierende der Sozialen Arbeit und auf Fachtagungen aktiv. Hier schildert sie als Betroffene ihre Eindrücke zur Lebens- und Arbeitssituation von Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie selbst arbeitet derzeit im sogenannten ,geschützten Bereich‘ an einem Arbeitsplatz, der grundsätzlich auf Menschen mit Unterstützungsbedarf ausgerichtet ist. Hier erlebt sie allerdings, dass die Strukturen oft starr sind und dass eher die Einschränkungen als die Potenziale im Vordergrund stehen. „Deshalb muss es so Einrichtungen wie die FreiwilligenAgentur oder das Stadtteilzentrum Pankow geben. Ich bin doch bestrebt noch etwas zu lernen“, sagt Conni Fensky in Hinblick auf die individuelle Unterstützung, die sie hier erfährt.
Für die Zukunft wünscht sich Conni Fensky, dass ihre Arbeit für Inklusion noch präsenter und wirksamer wird. „Die Menschen haben heute oft so viel um die Ohren, dass sie über Inklusion gar nicht nachdenken“, hat sie festgestellt. Noch besorgniserregender aber ist für sie, dass Inklusion in einigen Fällen zu einem, leeren‘ Schlagwort geworden ist. Das betrifft sowohl gemeinnützige Programme, die sich inklusiv nennen, dies aber nicht voll und ganz in die Tat umsetzen, als auch kleine Alltagsdiskriminierungen und Berührungsängste, zum Beispiel im Bus oder auf der Straße.
„Ich möchte den Leuten die Angst nehmen und ihnen zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind“, sagt Conni Fensky. Mit ihrer offenen und konstruktiven Haltung wird sie sich auch weiterhin engagieren, um neue Möglichkeiten für sich und andere zu erwirken.
Herzlichen Dank für Ihr Engagement, Conni Fensky!
I.W.
