Ein Ort, an dem es leckere Backwaren, Kaffee und Tee umsonst gibt? Und an dem Spenden oder Gegenleistungen überhaupt nicht einkalkuliert sind? Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass es sowas gibt – aber im Fair.Café ist genau das selbstverständlich. Auch Sven ist Teil des Projektes
und reicht immer donnerstags zwischen 14.00 und 17.00 Uhr mal Zimtschnecken, mal Gebäck mit Pistanziencreme und andere süße oder herzhafte Teilchen über die Theke. Was genau genossen werden kann, kommt ganz auf die Lebensmittelspenden an, die er immer mittwochs einsammelt und in die Kühlung des FreiZeitHauses Weißensee bringt – der Ort, an dem das Fair.Café stattfindet.
Der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung, dem sich das Projekt verschrieben hat, war Sven schon immer wichtig. Vor einer Weile hat er innerhalb der Organisation foodsharing damit begonnen, Nahrungsmittel einzusammeln, die sonst weggeworfen werden würden. Im Fair.Café, das Teil der Initiative Faires.Pankow ist und im September 2025 zum ersten Mal die Türen für Besucher:innen öffnete, hat er nun einen Wirkungsbereich gefunden, der mit seinen Überzeugungen besonders vereinbar ist. „Ich bin von Anfang an dabei und möchte mit dafür sorgen, dass etwas gegen die Lebensmittelverschwendung, die bei uns leider noch vorherrscht, getan wird – ob wir es beenden können, weiß ich noch nicht.“ Auch der Aspekt, den finanziell Bedürftigen in der Gesellschaft mit der Lebensmittel“fair“teilung etwas Erleichterung zu verschaffen, motiviert ihn. „Ich habe selbst erfahren, wie es ist, wenn man nicht so viel Geld auf Tasche hat. Da möchte ich Teil sein und der Gesellschaft etwas zurückgeben“, erzählt er offen.
Das Fair.Café ist nicht der einzige Ort im Bezirk Pankow, an dem man Sven begegnen kann. Bei der Volkssolidarität macht er, was gerade so anfällt. Von der Begrüßung von Besucher:innen, die sich zu einem Webkurs eingefunden haben, bis zur Gewährleistung der Kaffeeversorgung war schon vieles dabei, wie er berichtet. Auch beim Repair-Café kümmert er sich um die Versorgung der Gäste und kocht Essen für sie – natürlich mit geretteten Lebensmitteln, die sonst im Müll gelandet wären. Seitdem der gelernte Krankenpfleger aufgrund eines Arbeitsunfalls berufsunfähig ist, schaut er, wie und wo er gemäß seinen Möglichkeiten helfen kann. Im März war Sven außerdem bei einer Podiumsdiskussion mit der Senatorin Cansel Kiziltepe dabei und hat ausgesprochen, was ihn beschäftigt und wonach auch die Initiative Faires.Pankow strebt:
„Ich konnte meinen Wunsch nach Nachhaltigkeit platzieren und dass ich es gut finde, wenn es einen Raum gibt, der vorurteilsfrei ist – wo sich alle Menschen auf Augenhöhe begegnen können. Wichtig ist auch, dass solche Initiativen besser gefördert werden, die dann wiederum Freiräume für die Menschen schaffen können.“
Das Fair.Café zeigt, dass diese Wünsche gar nicht utopisch sind. Die Begegnungen haben Sven, wie er selbst schildert, weiter darin geschult, Vorurteile und Schranken abzubauen. Und sie haben ihm gezeigt, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht. Wo vorher vielleicht die ein oder andere Person Anstoß an seinem Auftreten oder Aussehen genommen hat, ist nun eine andere Ebene der Begegnung vordergründig. „Die Leute lernen mich hier kennen und denken: der ist ja ganz nett und umgänglich. Sie bauen auch mir gegenüber ihre Vorurteile ab. Das ist hier eine Oase des Menschlichseins – und sowas brauchen wir.“
Herzlichen Dank für dein Engagement, Sven!
I.W. – Mai 26
